Das Blutdruckmessgerät zeigt 148 zu 91 mmHg. Zehn Minuten später sind es nur noch 132 zu 82. Am nächsten Morgen erscheinen 125 zu 78 auf dem Display und nach einem hektischen Arbeitstag plötzlich wieder deutlich höhere Werte. Wer seinen Blutdruck regelmäßig zu Hause misst, stellt schnell fest, dass die Zahlen keineswegs immer gleich sind. Das ist grundsätzlich normal. Der Blutdruck passt sich ständig an die aktuelle Situation an und verändert sich beispielsweise durch körperliche Belastung, Stress und Ruhephasen. Zusätzlich können jedoch erstaunlich einfache Messfehler dafür sorgen, dass die angezeigten Werte höher oder niedriger ausfallen, als sie unter standardisierten Bedingungen wären. Eine einzelne Zahl sagt deshalb wesentlich weniger aus als mehrere korrekt durchgeführte Messungen unter vergleichbaren Bedingungen. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt für die Selbstmessung unter anderem eine Messung im Sitzen, eine Ruhephase vor der Messung und die Verwendung desselben Arms.
Warum der Blutdruck überhaupt aus zwei Zahlen besteht
Bei einer Blutdruckmessung werden üblicherweise zwei Werte angegeben. Der obere, systolische Wert beschreibt den Druck in den Arterien während der Phase, in der sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt. Der untere, diastolische Wert beschreibt den Druck während der Entspannungsphase des Herzens zwischen zwei Schlägen. Angegeben werden die Werte in Millimeter Quecksilbersäule, abgekürzt mmHg. Ein Messwert von beispielsweise 128 zu 79 mmHg besteht entsprechend aus einem systolischen Wert von 128 und einem diastolischen Wert von 79.
Beide Werte können sich innerhalb kurzer Zeit verändern. Wer gerade eine Treppe hinaufgelaufen ist, sich über eine Nachricht geärgert hat oder in letzter Minute zu einem Termin gekommen ist, misst deshalb möglicherweise etwas völlig anderes als nach zehn ruhigen Minuten auf dem Sofa. Genau darin liegt eine Schwierigkeit der Blutdruckmessung: Das Gerät kann technisch vollkommen korrekt funktionieren und trotzdem einen Wert anzeigen, der für den üblichen Ruheblutdruck wenig aussagekräftig ist. Ziel einer standardisierten Selbstmessung ist daher nicht, den Blutdruck in jeder beliebigen Alltagssituation zu erfassen, sondern möglichst vergleichbare Bedingungen zu schaffen.
Der häufigste Fehler passiert schon vor dem Einschalten
Wer das Messgerät auf den Tisch stellt, sich hinsetzt und sofort den Startknopf drückt, riskiert einen wenig repräsentativen Wert. Vor einer Blutdruckmessung sollte der Körper zunächst zur Ruhe kommen. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt eine Ruhephase von fünf Minuten. Währenddessen sollte man entspannt sitzen, möglichst nicht sprechen und sich nicht bewegen. Auch während der eigentlichen Messung sollte ruhig gesessen, normal geatmet und nicht gesprochen werden.
Das klingt banal, macht aber einen wesentlichen Unterschied. Wer gerade Einkäufe in den dritten Stock getragen hat, schnell zum Blutdruckgerät läuft und unmittelbar misst, erfasst möglicherweise eher die Reaktion des Kreislaufs auf die vorangegangene Belastung als einen Ruhewert. Das österreichische Gesundheitsportal rät zudem dazu, in den 30 Minuten vor der Messung auf Sport, Kaffee und Rauchen zu verzichten. Ein erhöhter Wert direkt nach körperlicher Aktivität bedeutet also nicht automatisch, dass auch der Ruheblutdruck erhöht ist.
Reden während der Messung ist keine gute Idee
Man sitzt am Küchentisch, die Manschette beginnt sich aufzupumpen und genau in diesem Moment fragt jemand etwas. Ein kurzer Satz wird schon nichts ausmachen – könnte man meinen. Für eine möglichst zuverlässige Blutdruckmessung sollte während des Messvorgangs jedoch nicht gesprochen werden. Auch Telefonieren, Tippen oder andere Ablenkungen gehören nicht zur idealen Messsituation. Die Deutsche Hochdruckliga empfiehlt eine ruhige Umgebung und weist darauf hin, während der Messung weder zu sprechen noch sich durch Radio oder Fernsehen ablenken zu lassen.
Das bedeutet nicht, dass eine versehentlich während eines Gesprächs durchgeführte Messung gefährlich oder völlig wertlos wäre. Sie ist lediglich schlechter mit anderen standardisierten Ruhewerten vergleichbar. Gerade Menschen, die ihren Blutdruck dokumentieren, profitieren deshalb von einer kleinen Routine: hinsetzen, einige Minuten warten, messen und erst danach wieder zum Smartphone, Fernseher oder Gespräch zurückkehren. Je ähnlicher die Bedingungen sind, desto besser lässt sich erkennen, ob sich der Blutdruck über längere Zeit tatsächlich verändert.
Die richtige Sitzposition ist wichtiger, als sie aussieht
Blutdruck lässt sich grundsätzlich in unterschiedlichen Körperpositionen messen, für die übliche Selbstmessung wird jedoch normalerweise im Sitzen gemessen. Dabei sollte man bequem und entspannt sitzen. Beide Füße stehen möglichst auf dem Boden und der Körper wird nicht unnötig angespannt. Der Arm mit der Manschette sollte locker aufliegen und nicht in der Luft gehalten werden. Besonders wichtig ist, dass sich die Manschette beziehungsweise bei einem Handgelenksgerät der Messpunkt ungefähr auf Herzhöhe befindet. Darauf weisen sowohl das österreichische Gesundheitsportal als auch die Deutsche Hochdruckliga hin.
Wer den Arm während der gesamten Messung selbst hochhält, spannt dabei zwangsläufig Muskeln an. Auch ein deutlich zu tief oder zu hoch positionierter Messpunkt kann die Vergleichbarkeit beeinträchtigen. Am einfachsten ist es deshalb, den Unterarm entspannt auf einem Tisch oder einer geeigneten Unterlage abzulegen. Bei Handgelenksgeräten muss besonders darauf geachtet werden, das Handgelenk tatsächlich auf Herzhöhe zu bringen. Ein korrekt verwendetes Gerät kann nur dann vernünftige Ergebnisse liefern, wenn auch seine Position stimmt.
Die Manschette muss zum Arm passen
Bei Blutdruckmessgeräten ist die Manschette kein nebensächliches Zubehör. Ihre Größe muss zum Umfang des Oberarms passen. Eine ungeeignete Manschette kann die Messung verfälschen. Deshalb lohnt es sich bereits beim Kauf eines Gerätes zu prüfen, für welchen Armumfang die mitgelieferte Manschette vorgesehen ist. Menschen mit sehr schmalen oder kräftigen Oberarmen benötigen gegebenenfalls eine andere Größe. Fachleute empfehlen für die häusliche Blutdruckmessung in der Regel Oberarmgeräte. Auch das österreichische Gesundheitsportal nennt die Messung am Oberarm als bevorzugte Variante.
Die Manschette sollte zudem direkt am Arm und nicht über dicker Kleidung angelegt werden. Einfach den Ärmel eines Pullovers hochzuschieben ist ebenfalls nicht immer ideal, wenn dadurch der Oberarm stark eingeschnürt wird. Besser ist eine bequeme Situation, in der die Manschette korrekt positioniert werden kann, ohne dass enge Kleidung den Arm komprimiert. Wer regelmäßig misst, macht sich das Leben leichter, wenn dieser Ablauf von Anfang an möglichst unkompliziert gestaltet wird.
Welcher Arm ist eigentlich der richtige?
Eine weitere häufige Frage betrifft den Arm. Links, weil dort das Herz liegt? Rechts, weil die Werte dort niedriger sind? So einfach ist es nicht. Bei einer erstmaligen Beurteilung ist es sinnvoll, den Blutdruck an beiden Armen zu messen. Zwischen beiden Seiten können Unterschiede bestehen. gesund.bund.de empfiehlt bei der ersten Messung eine Kontrolle an beiden Armen und für spätere Messungen den Arm, an dem die höheren Werte festgestellt wurden.
Für eine langfristige Dokumentation sollte anschließend möglichst immer derselbe Arm verwendet werden. Wer heute links, morgen rechts und übermorgen wieder links misst, fügt den natürlichen Blutdruckschwankungen eine weitere Variable hinzu. Werden dauerhaft deutlich unterschiedliche Werte an beiden Armen festgestellt, kann dies außerdem ein Thema für das ärztliche Gespräch sein. Es geht also nicht darum, den Arm auszuwählen, der das angenehmere Ergebnis liefert, sondern möglichst reproduzierbar zu messen.
Ein einzelner hoher Wert ist noch keine Blutdruckgeschichte
Blutdruckwerte schwanken. Deshalb sollte aus einer einzelnen erhöhten Messung nicht automatisch auf dauerhaft hohen Blutdruck geschlossen werden. Für die Diagnose einer Hypertonie werden wiederholte Messungen benötigt. Neben Messungen in der Arztpraxis können häusliche Blutdruckmessungen oder eine Langzeitmessung über 24 Stunden eingesetzt werden. Gerade die Selbstmessung kann dabei wertvolle Informationen liefern, weil der Blutdruck über mehrere Tage und unter normalen Alltagsbedingungen beobachtet werden kann.
Wer unmittelbar nach einem erhöhten Wert nervös wird und alle 30 Sekunden erneut misst, produziert allerdings schnell eine ganze Reihe von Zahlen, die mehr Verwirrung als Klarheit schaffen. Für strukturierte Messungen wird üblicherweise mehrfach gemessen. Das österreichische Gesundheitsportal beschreibt zwei Messungen in Folge. Sinnvoll ist vor allem, sich an eine feste Vorgehensweise zu halten und die Ergebnisse zu dokumentieren, statt einzelne Spitzenwerte isoliert zu betrachten.
Morgens ändert sich der Blutdruck nicht aus Bosheit
Viele Menschen stellen fest, dass ihre Blutdruckwerte morgens anders aussehen als abends. Auch innerhalb eines Tages unterliegt der Blutdruck natürlichen Schwankungen. Deshalb werden bei einer systematischen Selbstmessung häufig Messungen morgens und abends empfohlen. Das österreichische Gesundheitsportal nennt diese beiden Tageszeiten ausdrücklich für die häusliche Kontrolle. Damit lassen sich Veränderungen wesentlich besser beurteilen als mit zufälligen Messungen zu völlig unterschiedlichen Zeitpunkten.
Wichtig ist allerdings auch hier die Vergleichbarkeit. Ein Wert um 7 Uhr nach fünf Minuten Ruhe lässt sich schlecht mit einem Messwert vergleichen, der am nächsten Tag nach Kaffee, Frühstück, Dusche und einem Sprint zur Haustür aufgenommen wurde. Wer seinen Blutdruck über einen bestimmten Zeitraum beobachten möchte, sollte deshalb möglichst ähnliche Abläufe wählen. So entsteht aus vielen einzelnen Zahlen allmählich ein brauchbares Bild.
Kaffee vor der Messung kann das Ergebnis beeinflussen
Der morgendliche Kaffee gehört für viele Menschen zum Tagesbeginn. Wer seinen Blutdruck kontrollieren möchte, sollte jedoch überlegen, ob zuerst gemessen oder zuerst Kaffee getrunken wird. Das österreichische Gesundheitsportal empfiehlt, mindestens 30 Minuten vor einer Blutdruckmessung keinen Kaffee zu trinken und nicht zu rauchen. Auch Sport sollte in diesem Zeitraum vermieden werden. Wer die Messung jeden Morgen direkt nach dem zweiten Espresso durchführt, misst somit unter anderen Bedingungen als jemand, der zunächst einige Minuten ruhig sitzt.
Das bedeutet nicht, dass Kaffee grundsätzlich verboten wäre oder jeder Kaffeetrinker automatisch Bluthochdruck entwickelt. Es geht ausschließlich darum, eine möglichst standardisierte Messsituation herzustellen. Dasselbe gilt für körperliche Aktivität und Nikotin. Möchte man dagegen bewusst wissen, wie der Blutdruck in einer bestimmten Alltagssituation reagiert, handelt es sich um eine andere Fragestellung als bei der üblichen Ruheblutdruckmessung.
Das Gerät selbst sollte zuverlässig messen können
Auch das beste Messverfahren hilft wenig, wenn das verwendete Gerät unzuverlässig arbeitet. Für den Heimgebrauch sind zahlreiche elektronische Blutdruckmessgeräte erhältlich, doch nicht jedes Modell wurde unabhängig auf seine Messgenauigkeit geprüft. Das österreichische Gesundheitsportal verweist unter anderem auf Listen geprüfter Selbstmessgeräte der Deutschen Hochdruckliga. Wer ein Gerät neu kauft, sollte deshalb nicht ausschließlich nach Preis, Displaygröße oder App-Anbindung entscheiden.
Eine praktische Möglichkeit besteht außerdem darin, das eigene Gerät gelegentlich zu einem Arzttermin mitzunehmen. So lässt sich besprechen, ob Manschette und Anwendung passen und ob die gemessenen Werte plausibel erscheinen. Bei ungewöhnlich starken Abweichungen ist nicht zwangsläufig sofort das Gerät defekt; falsche Positionierung, eine ungeeignete Manschette oder unterschiedliche Messbedingungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Der niedrigste Wert ist nicht automatisch der richtige
Ein psychologisch nachvollziehbarer Fehler besteht darin, nach einem unerwartet hohen Wert so lange weiterzumessen, bis endlich eine Zahl erscheint, die besser gefällt. Dann wird ausschließlich dieser Wert notiert. Damit verliert die Messreihe allerdings ihren Sinn. Umgekehrt sollte auch ein einzelner besonders hoher Wert nicht herausgegriffen und als typische Situation betrachtet werden. Aussagekräftiger ist eine strukturierte Reihe von Messungen unter vergleichbaren Bedingungen.
Genau deshalb können Blutdrucktagebücher hilfreich sein. Datum, Uhrzeit, systolischer und diastolischer Wert sowie gegebenenfalls der Puls lassen sich unkompliziert erfassen. Wer möchte, kann zusätzlich Besonderheiten notieren, etwa ungewöhnlichen Stress, Krankheit oder eine vergessene Medikamenteneinnahme. Die Dokumentation soll keine permanente Selbstüberwachung erzeugen, sondern der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt gegebenenfalls eine bessere Grundlage für die Beurteilung liefern.
Blutdruckmedikamente nicht nach einzelnen Messwerten verändern
Wer blutdrucksenkende Medikamente einnimmt, kann leicht in Versuchung geraten, auf einzelne Werte unmittelbar zu reagieren. Ist der Blutdruck morgens niedrig, wird die Tablette ausgelassen; ist er am Abend hoch, wird vielleicht über eine zusätzliche Dosis nachgedacht. Genau solche eigenständigen Änderungen können problematisch sein. Das österreichische Gesundheitsportal rät dazu, Änderungen der Therapie mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abzustimmen. Bei bestimmten Wirkstoffen kann insbesondere ein abruptes Absetzen zu einem starken Blutdruckanstieg führen.
Die häusliche Blutdruckmessung dient daher vor allem der Beobachtung und Therapiekontrolle. Sie ersetzt nicht die individuelle medizinische Entscheidung über Medikamente. Wenn wiederholt ungewöhnlich hohe oder niedrige Werte auftreten, ist eine dokumentierte Messreihe oft hilfreicher als spontane Veränderungen der Einnahme.
Nicht jede auffällige Zahl ist ein Notfall – Beschwerden zählen mit
Ein deutlich erhöhter Messwert kann erschrecken. Gerade dann lohnt es sich zunächst zu prüfen, ob korrekt und nach ausreichender Ruhe gemessen wurde. Gleichzeitig dürfen stark auffällige Blutdruckwerte nicht unabhängig von möglichen Beschwerden betrachtet werden. Treten beispielsweise starke Brustschmerzen, ausgeprägte Atemnot, Bewusstseinsstörungen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen oder andere akute schwere Symptome auf, sollte nicht zu Hause immer wieder nachgemessen und auf bessere Zahlen gewartet werden. Solche Beschwerden können auf einen medizinischen Notfall hinweisen und benötigen unabhängig vom Blutdruck eine rasche Abklärung.
Wer hingegen ohne akute Beschwerden wiederholt Werte misst, die deutlich außerhalb des persönlichen üblichen Bereichs liegen, sollte sie dokumentieren und ärztlich besprechen. Eine medizinische Diagnose entsteht nicht dadurch, dass ein Messgerät einmal eine bestimmte Zahl anzeigt. Entscheidend sind wiederholte Werte, die Messbedingungen, mögliche Erkrankungen, Medikamente und das gesamte individuelle Risiko.
Gute Blutdruckmessung ist vor allem langweilige Routine
Für zuverlässige Selbstmessungen braucht es weder komplizierte Technik noch tägliche medizinische Detektivarbeit. Gerade die unspektakuläre Routine macht die Werte brauchbar: einige Minuten ruhig sitzen, nicht sprechen, eine passende Manschette verwenden, den Arm entspannt auf Herzhöhe lagern, möglichst am gleichen Arm messen und die Ergebnisse dokumentieren. Wer morgens und abends kontrolliert, sollte dies möglichst unter ähnlichen Bedingungen tun. Kaffee, Rauchen und körperliche Belastung unmittelbar vor der Messung können die Vergleichbarkeit verschlechtern.
Damit wird aus dem Blutdruckmessgerät kein Orakel, das mit jeder einzelnen Zahl über gesund oder krank entscheidet. Es wird zu dem, was es sein sollte: ein Instrument, mit dem sich Entwicklungen über längere Zeit beobachten lassen. Gerade deshalb lohnt es sich, bei der Messung sorgfältig zu sein. Denn ein exakt angezeigter Wert ist nur dann wirklich hilfreich, wenn auch die Bedingungen stimmen, unter denen er entstanden ist.