Eigentlich passiert gerade nichts. Man sitzt auf dem Sofa, liegt im Bett oder liest ein Buch – und plötzlich scheint das eigene Herz die gesamte Aufmerksamkeit einzufordern. Es schlägt ungewöhnlich kräftig, schnell oder unregelmäßig, stolpert scheinbar über einzelne Schläge oder erzeugt ein unangenehmes Flattern in der Brust. Solche Empfindungen werden medizinisch als Palpitationen bezeichnet. Dahinter können völlig harmlose Veränderungen des Herzschlags stecken, aber auch Herzrhythmusstörungen oder andere Erkrankungen. Das österreichische Gesundheitsportal nennt unter anderem Angst und Panikattacken, Schilddrüsenüberfunktion, Medikamente, Alkohol, Koffein und Herzerkrankungen als mögliche Ursachen und empfiehlt, Palpitationen ärztlich abklären zu lassen.
Was mit Herzklopfen eigentlich gemeint ist
Der eigene Herzschlag bleibt normalerweise weitgehend unbemerkt. Erst wenn er besonders kräftig, schnell oder unregelmäßig wird, rückt er ins Bewusstsein. Manche Menschen beschreiben ein Pochen bis in den Hals, andere ein Flattern in der Brust oder das Gefühl, dass ein Herzschlag aussetzt und anschließend ein besonders kräftiger Schlag folgt. All diese Empfindungen können unter den Begriff Palpitationen fallen. Das Gefühl allein verrät allerdings noch nicht, welcher Herzrhythmus tatsächlich vorliegt. Eine Herzrhythmusstörung kann sich als Herzklopfen, Herzstolpern oder Herzrasen bemerkbar machen, manche Rhythmusstörungen verursachen jedoch überhaupt keine Beschwerden.
Auch ein spürbar kräftiger Herzschlag bedeutet nicht zwangsläufig, dass das Herz außergewöhnlich schnell schlägt. Bei Aufregung oder Stress kann jeder einzelne Schlag stärker wahrgenommen werden. Umgekehrt kann ein deutlich beschleunigter Puls vorhanden sein, ohne dass er besonders unangenehm empfunden wird. Wer wiederholt Beschwerden hat, sollte daher nicht nur beschreiben, dass „das Herz komisch schlägt“, sondern möglichst darauf achten, ob es sich schnell, kräftig, regelmäßig oder unregelmäßig anfühlt und wie lange die Episode anhält.
Warum man das Herz gerade in Ruhe besonders stark wahrnimmt
Dass Herzklopfen ausgerechnet auf dem Sofa oder im Bett auffällt, bedeutet nicht automatisch, dass es nur in Ruhe entsteht. Während des Tages konkurriert der Herzschlag mit Bewegung, Gesprächen, Verkehrslärm und zahllosen anderen Reizen um Aufmerksamkeit. In einem stillen Schlafzimmer fällt jeder ungewöhnliche Schlag wesentlich stärker auf. Manche Menschen bemerken Extraschläge deshalb vor allem abends, obwohl sie wahrscheinlich auch tagsüber auftreten.
Hinzu kommt, dass bestimmte Herzrhythmusstörungen tatsächlich plötzlich in Ruhe beginnen können. Bei einer anfallsartigen Vorhoftachykardie setzt das Herzrasen typischerweise abrupt ein, kann einige Minuten anhalten und ebenso plötzlich wieder verschwinden. Das Muster „Ich habe mich überhaupt nicht angestrengt und plötzlich rast mein Herz“ ist daher möglich, sagt allein aber noch wenig über die Ursache aus.
Einzelne Stolperer sind häufig Extrasystolen
Ein besonders typisches Gefühl ist der scheinbar ausgelassene Herzschlag. Tatsächlich handelt es sich dabei häufig um einen zusätzlichen vorzeitigen Herzschlag, eine sogenannte Extrasystole. Weil dieser Schlag früher als erwartet kommt und anschließend eine etwas längere Pause folgen kann, wird der nächste reguläre Schlag besonders kräftig wahrgenommen. Subjektiv entsteht dadurch leicht der Eindruck, das Herz habe kurz aufgehört zu schlagen.
Extrasystolen können sowohl im Herzvorhof als auch in den Herzkammern entstehen. Das österreichische Gesundheitsportal weist darauf hin, dass solche Extraschläge auch bei herzgesunden Menschen auftreten können und dann grundsätzlich harmlos sein können. Treten sie jedoch neu, sehr häufig oder zusammen mit anderen Beschwerden auf, lässt sich allein anhand des Gefühls nicht beurteilen, welche Art von Rhythmus dahintersteckt.
Stress kann das Herz spürbar beschleunigen
Das Herz reagiert unmittelbar auf das autonome Nervensystem. Bei Stress, Angst oder Aufregung werden unter anderem Stresshormone ausgeschüttet, die Herzfrequenz und Schlagkraft erhöhen können. Deshalb kann ein belastender Gedanke auf dem Sofa tatsächlich genügen, um plötzlich kräftiges Herzklopfen auszulösen. Angststörungen und Panikattacken gehören ebenfalls zu den möglichen Ursachen von Palpitationen.
Das führt manchmal in eine unangenehme Schleife. Ein ungewöhnlicher Herzschlag wird bemerkt, löst Sorge aus, die Sorge aktiviert den Körper weiter und dadurch schlägt das Herz noch deutlicher. Daraus sollte allerdings nicht der umgekehrte Schluss gezogen werden, dass Herzklopfen grundsätzlich psychisch sei. Gerade bei neu auftretenden oder wiederkehrenden Palpitationen ist es sinnvoll, mögliche körperliche Ursachen zunächst angemessen einzuordnen.
Kaffee kann tatsächlich dahinterstecken
Koffein ist ein weiterer möglicher Auslöser. Manche Menschen können am späten Abend mehrere Espressi trinken, ohne ihren Herzschlag besonders wahrzunehmen. Andere reagieren bereits auf deutlich kleinere Mengen mit innerer Unruhe und Palpitationen. Das österreichische Gesundheitsportal nennt Koffein ausdrücklich als möglichen Auslöser von Herzklopfen beziehungsweise Herzrasen. Auch Alkohol kann entsprechende Beschwerden begünstigen.
Wer neu auftretendes Herzklopfen beobachtet, kann deshalb zunächst überlegen, ob sich der Konsum verändert hat. Dazu zählen nicht nur Kaffee, sondern auch Energydrinks und andere koffeinhaltige Getränke. Ein zeitlicher Zusammenhang beweist allerdings keine Ursache. Wiederkehrendes oder starkes Herzklopfen sollte nicht dauerhaft allein dem Kaffee zugeschrieben werden, insbesondere wenn weitere Beschwerden hinzukommen.
Auch Medikamente können Palpitationen auslösen
Medikamente gehören ebenfalls zu den möglichen Auslösern von Palpitationen. Relevant kann das insbesondere sein, wenn die Beschwerden kurz nach Beginn einer neuen Behandlung oder nach einer Dosisänderung aufgetreten sind. Auch frei verkäufliche Präparate sollten bei einer medizinischen Abklärung genannt werden, denn „ohne Rezept“ bedeutet nicht automatisch „ohne Einfluss auf Herz und Kreislauf“.
Ein verdächtiges Medikament sollte dennoch nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Bei manchen Arzneimitteln wäre das abrupte Absetzen selbst problematisch. Sinnvoller ist es, den zeitlichen Zusammenhang zu dokumentieren und mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt zu besprechen.
Flüssigkeitsmangel kann den Puls beschleunigen
Gerade bei Hitze, Fieber, Durchfall, Erbrechen oder starker sportlicher Belastung kann Flüssigkeitsmangel eine Rolle spielen. Sinkt das zirkulierende Blutvolumen, muss das Herz-Kreislauf-System darauf reagieren. Das österreichische Gesundheitsportal zählt Herzrasen ausdrücklich zu möglichen Symptomen einer Dehydration; außerdem können unter anderem trockene Schleimhäute, Schwindel beim Aufstehen und bei stärkerem Flüssigkeitsmangel weitere Beschwerden auftreten.
Ein plötzlich etwas schnellerer Puls nach einem heißen Sommertag hat deshalb einen anderen Kontext als wiederkehrendes Herzrasen ohne erkennbaren Anlass. Auch hier liefert das Gesamtbild wichtige Hinweise: Wie viel wurde getrunken? Gab es starken Flüssigkeitsverlust? Tritt gleichzeitig Schwindel beim Aufstehen auf? Normalisiert sich der Puls nach Erholung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr wieder?
Blutarmut kann das Herz stärker arbeiten lassen
Bei einer ausgeprägten Blutarmut steht weniger Hämoglobin für den Sauerstofftransport zur Verfügung. Der Körper kann darauf unter anderem mit einer höheren Herzfrequenz reagieren. Das österreichische Gesundheitsportal nennt bei stärkerer Anämie neben Atemnot und Schwindel auch Herzrasen als mögliches Symptom.
Besonders relevant kann dieser Zusammenhang beispielsweise bei starken Blutverlusten sein. Wiederkehrende starke Menstruationsblutungen können langfristig zu Eisenmangel und Blutarmut beitragen. Herzklopfen zusammen mit auffälliger Müdigkeit, Blässe, Schwindel oder verminderter Belastbarkeit lässt sich deshalb nicht sinnvoll allein als Herzproblem betrachten. Eine Blutuntersuchung kann gegebenenfalls Hinweise liefern.
Eine Schilddrüsenüberfunktion kann Herzrasen verursachen
Schilddrüsenhormone beeinflussen den Stoffwechsel und damit auch Herz und Kreislauf. Produziert die Schilddrüse zu viele Hormone, kann eine Hyperthyreose entstehen. Zu den möglichen Beschwerden gehören Herzklopfen, Herzrasen und teilweise Herzrhythmusstörungen. Zusätzlich können Gewichtsverlust trotz guten Appetits, Zittern, Nervosität, vermehrtes Schwitzen und Durchfall auftreten.
Das bedeutet nicht, dass jedes Herzrasen durch die Schilddrüse verursacht wird. Gerade die Kombination mehrerer typischer Beschwerden kann jedoch Anlass sein, die Schilddrüsenfunktion zu überprüfen. Der TSH-Wert ist dabei üblicherweise der erste Laborparameter; bei auffälligem TSH können weitere Schilddrüsenhormone bestimmt werden.
Vorhofflimmern fühlt sich häufig unregelmäßig an
Eine wichtige Herzrhythmusstörung ist Vorhofflimmern. Dabei schlagen die Vorhöfe nicht mehr geordnet im normalen Rhythmus. Häufig bemerkte Beschwerden sind Herzklopfen und ein stolpernder, oft beschleunigter Herzschlag. Schwindel und verminderte Leistungsfähigkeit können ebenfalls auftreten. Manche Menschen haben allerdings überhaupt keine spürbaren Symptome.
Vorhofflimmern ist deshalb relevant, weil es nicht nur unangenehmes Herzklopfen verursachen kann. Durch die veränderte Strömung des Blutes können sich in den Herzvorhöfen Blutgerinnsel bilden, wodurch sich das Schlaganfallrisiko erhöht. Außerdem kann dauerhaft ungünstiges Vorhofflimmern das Herz belasten. Ob ein unregelmäßiger Puls tatsächlich Vorhofflimmern ist, lässt sich jedoch nicht zuverlässig durch Selbsttasten oder eine Smartphone-App diagnostizieren. Dafür ist eine medizinische Rhythmusaufzeichnung erforderlich.
Plötzliches regelmäßiges Herzrasen kann eine andere Rhythmusstörung sein
Nicht jede Rhythmusstörung fühlt sich unregelmäßig an. Bei bestimmten supraventrikulären Tachykardien kann der Herzschlag plötzlich sehr schnell und gleichzeitig ausgesprochen regelmäßig werden. Bei einer anfallsartigen Vorhoftachykardie beginnt das Herzrasen häufig abrupt, dauert Minuten und endet ebenso plötzlich.
Gerade diese Information kann für die spätere Diagnostik wertvoll sein. Ein allmählicher Pulsanstieg bei Aufregung unterscheidet sich von einer Episode, bei der innerhalb eines Augenblicks scheinbar ein Schalter umgelegt wird und das Herz plötzlich sehr schnell schlägt. Wer wiederkehrende Attacken erlebt, sollte Dauer, ungefähre Herzfrequenz, Regelmäßigkeit und Begleitsymptome möglichst genau dokumentieren.
Nicht jeder hohe Puls ist eine Herzrhythmusstörung
Der normale Sinusknoten kann das Herz ebenfalls deutlich beschleunigen. Sport, Fieber, Flüssigkeitsmangel, Stress oder eine körperliche Erkrankung können zu einer sogenannten Sinustachykardie führen, bei der das Herz zwar schnell, aber grundsätzlich im normalen Rhythmus schlägt. Herzrasen ist daher zunächst ein Symptom und noch keine Diagnose.
Genau deshalb beginnt eine vernünftige Abklärung nicht mit der Frage „Welche Rhythmusstörung habe ich?“, sondern mit dem Gesamtzusammenhang. Trat die Episode nach Belastung oder völlig unvermittelt auf? Bestand Fieber? Wurde wenig getrunken? Gab es größere Mengen Koffein oder Alkohol? Gibt es eine bekannte Schilddrüsenerkrankung? Werden neue Medikamente eingenommen? Erst zusammen mit einer Rhythmusaufzeichnung entsteht daraus ein brauchbares diagnostisches Bild. Palpitationen können sowohl harmlose als auch krankhafte Ursachen haben.
Der Puls am Handgelenk liefert Hinweise, aber keine Diagnose
Wenn Herzklopfen auftritt, kann es hilfreich sein, den Puls für einen begrenzten Zeitraum zu fühlen und auf zwei Dinge zu achten: Wie schnell schlägt das Herz ungefähr und erscheint der Rhythmus regelmäßig oder unregelmäßig? Wer eine Uhr oder ein Blutdruckmessgerät besitzt, kann den angezeigten Puls ebenfalls notieren. Solche Informationen können später hilfreich sein.
Eine normale Pulsmessung schließt jedoch eine Rhythmusstörung nicht aus. Die Episode kann bereits vorbei sein, bevor gemessen wird, oder ein Gerät kann bestimmte Unregelmäßigkeiten nicht zuverlässig einordnen. Umgekehrt bedeutet eine Warnmeldung einer Smartwatch nicht automatisch, dass eine Herzerkrankung vorliegt. Bei verdächtigen oder wiederkehrenden Beschwerden bleibt ein medizinisches EKG der entscheidende Schritt zur Rhythmusbeurteilung.
Warum das EKG so wichtig ist
Bei Herzrhythmusstörungen geht es letztlich darum, die elektrische Aktivität des Herzens während der Beschwerden zu erfassen. Ein Ruhe-EKG zeigt allerdings nur wenige Sekunden. Tritt das Herzklopfen ausschließlich zweimal pro Woche auf, kann das EKG in der Arztpraxis vollkommen normal aussehen. Deshalb stehen je nach Häufigkeit der Beschwerden längere Aufzeichnungen zur Verfügung. Das österreichische Gesundheitsportal nennt bei der Diagnostik von Herzrhythmusstörungen unter anderem Ruhe-, Langzeit- und Belastungs-EKG.
Das erklärt, warum eine genaue Dokumentation der Episoden so hilfreich ist. Treten sie täglich auf, hat eine 24-Stunden-Aufzeichnung eine andere Chance, das Ereignis zu erfassen, als bei Beschwerden, die nur alle paar Wochen auftreten. Je nach Situation können deshalb unterschiedlich lange Monitoringverfahren eingesetzt werden.
Ein Beschwerdetagebuch kann die Suche deutlich erleichtern
Wer wiederholt Herzklopfen erlebt, kann Datum, Uhrzeit, Dauer und Situation notieren. War man gerade im Bett, bei körperlicher Belastung oder nach einem Kaffee? War der Herzschlag eher regelmäßig oder chaotisch? Wie hoch war der Puls ungefähr? Gab es Schwindel, Atemnot, Schmerzen oder Schwäche? Endete die Episode langsam oder schlagartig?
Diese Angaben ersetzen kein EKG, können aber helfen, das Muster zu erkennen und die weitere Diagnostik sinnvoll zu planen. Besonders wichtig ist auch eine Medikamentenliste einschließlich frei verkäuflicher Mittel. Da Palpitationen unter anderem durch Medikamente, Koffein, Alkohol, Schilddrüsenüberfunktion, Angstzustände und Herzrhythmusstörungen verursacht werden können, ist der Kontext für die Einordnung entscheidend.
Wann Herzklopfen zeitnah abgeklärt werden sollte
Wiederkehrende Palpitationen verdienen ärztliche Aufmerksamkeit, insbesondere wenn sie neu sind, häufiger werden, länger anhalten oder sich deutlich von früheren Episoden unterscheiden. Das gilt ebenso bei bekannter Herzerkrankung oder wenn die Beschwerden regelmäßig bei körperlicher Belastung auftreten. Herzrhythmusstörungen können sich sehr unterschiedlich äußern und neben Herzklopfen auch Schwäche, eingeschränkte Belastbarkeit, Schwindel oder Atemnot verursachen.
Auch ohne dramatische Begleiterscheinungen ist eine Abklärung sinnvoll, wenn das Herz wiederholt ohne nachvollziehbaren Anlass rast oder stolpert. Oft ergibt die Untersuchung eine beruhigende Erklärung. Entscheidend ist aber gerade, dass diese Einschätzung nicht ausschließlich aufgrund des eigenen Gefühls getroffen werden kann.
Brustschmerz, Atemnot und Bewusstlosigkeit sind Warnzeichen
Eine andere Situation besteht, wenn Herzklopfen gemeinsam mit akuten schweren Beschwerden auftritt. Brustschmerzen beziehungsweise Engegefühl im Brustkorb, deutliche Atemnot, starker Schwindel, das Gefühl unmittelbar ohnmächtig zu werden oder tatsächliche Bewusstlosigkeit gehören zu Warnzeichen, bei denen umgehend medizinische Hilfe erforderlich ist.
Das österreichische Gesundheitsportal führt bei Herzrhythmusstörungen ebenfalls Atemnot, Synkopen sowie neurologische Auffälligkeiten wie vorübergehende Seh- oder Sprechstörungen unter den möglichen ernsten Symptomen auf. In Österreich ist bei einem akuten medizinischen Notfall die Rettung unter 144, europaweit der Euronotruf unter 112 erreichbar. In einer solchen Situation sollte nicht erst über längere Zeit der Puls beobachtet oder im Internet nach einer passenden Erklärung gesucht werden.
Plötzliche Atemnot mit Herzrasen hat besondere Bedeutung
Herzrasen zusammen mit plötzlich auftretender Atemnot und Brustschmerzen kann unterschiedliche ernste Ursachen haben. Eine davon ist eine Lungenembolie, bei der ein Blutgerinnsel ein Lungengefäß verschließt. Das österreichische Gesundheitsportal nennt plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel beziehungsweise Benommenheit und Herzrasen als typische mögliche Anzeichen.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Herzrasen plus ein wenig Kurzatmigkeit automatisch eine Lungenembolie darstellt. Entscheidend ist die akute Symptomkonstellation. Bei plötzlich auftretender erheblicher Atemnot oder Brustschmerzen gehört die Ursache unverzüglich medizinisch geklärt und nicht zu Hause anhand einzelner Symptome unterschieden.
Herzklopfen nach einem Infekt sollte ebenfalls ernst genommen werden
Infektionen können den Puls allein durch Fieber und Flüssigkeitsverlust beschleunigen. In seltenen Fällen kann jedoch auch der Herzmuskel betroffen sein. Eine Myokarditis entsteht häufig im Zusammenhang mit Virusinfektionen und kann von milden bis zu schweren Beschwerden reichen. Deshalb sollte auffälliges Herzrasen zusammen mit Brustschmerzen, Atemnot oder deutlicher Leistungsschwäche insbesondere nach einem Infekt nicht einfach durch intensives Training „weggetestet“ werden.
Wer nach einer Erkrankung merkt, dass die bisher übliche körperliche Belastung plötzlich ungewöhnlich schwerfällt oder mit neuen Herzbeschwerden verbunden ist, sollte dies medizinisch beurteilen lassen. Der Zusammenhang muss nicht am Herzen liegen, verdient aber eine vernünftige Abklärung.
Nicht jede Episode lässt sich verhindern
Wenn Koffein oder Alkohol offensichtlich Auslöser sind, kann eine Reduktion möglicherweise Beschwerden verringern. Bei Flüssigkeitsmangel hilft eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, und bei Stress können Entspannung und eine insgesamt geringere Belastung eine Rolle spielen. Solche Maßnahmen sind sinnvoll, wenn der Zusammenhang plausibel ist. Sie ersetzen jedoch keine Diagnostik bei wiederkehrenden oder ungewöhnlichen Palpitationen.
Ebenso wenig sollte das Leben zum permanenten Pulsexperiment werden. Wer bei jedem einzelnen Stolperer sofort die Smartwatch öffnet und anschließend mehrfach pro Minute nachmisst, kann die eigene Aufmerksamkeit auf den Herzschlag so stark erhöhen, dass harmlose Empfindungen immer störender wahrgenommen werden. Ziel ist nicht, jeden Herzschlag zu kontrollieren, sondern auffällige Muster zu erkennen.
Das Muster ist wichtiger als ein einzelner Messwert
Ein Ruhepuls von 95 Schlägen pro Minute kann in einer bestimmten Situation völlig anders zu bewerten sein als plötzlich einsetzendes Herzrasen mit 160 Schlägen pro Minute. Ebenso kann ein durchschnittlich langsamer Puls bei sportlichen Menschen normal sein, während ein neu aufgetretener sehr langsamer Herzschlag zusammen mit Schwindel etwas anderes bedeutet. Einzelne Zahlen benötigen immer Kontext.
Bei Palpitationen sind deshalb mehrere Fragen gemeinsam wichtig: Wie plötzlich beginnen sie? Wie lange dauern sie? Ist der Rhythmus regelmäßig? Wie hoch ist der Puls ungefähr? Gibt es erkennbare Auslöser? Treten Schwindel, Atemnot, Brustschmerzen oder Bewusstseinsstörungen auf? Bestehen Herz- oder Schilddrüsenerkrankungen? Werden Medikamente eingenommen? Erst daraus ergibt sich eine sinnvolle medizinische Einschätzung.
Herzklopfen ist ein Symptom, keine Diagnose
Die meisten Menschen erleben irgendwann einen besonders kräftigen, schnellen oder stolpernden Herzschlag. Extrasystolen können selbst bei herzgesunden Menschen auftreten, Stress und Angst beeinflussen den Puls, und Koffein, Alkohol, Medikamente oder Flüssigkeitsmangel können Palpitationen begünstigen. Gleichzeitig können Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern oder anfallsartige Tachykardien sowie andere körperliche Erkrankungen dahinterstecken.
Genau deshalb ist weder Panik noch Ignorieren eine gute Strategie. Einzelne kurze Stolperer ohne weitere Beschwerden sind etwas anderes als wiederholtes anfallsartiges Herzrasen. Neue oder wiederkehrende Palpitationen sollten ärztlich eingeordnet werden. Treten gleichzeitig Brustschmerzen, erhebliche Atemnot, starker Schwindel oder Bewusstlosigkeit auf, handelt es sich dagegen um eine Situation für sofortige medizinische Hilfe. Das Gefühl „Mein Herz schlägt gerade anders“ ist zunächst nur eine Beobachtung. Ob dahinter eine harmlose Extrasystole, eine Reaktion auf Stress oder eine behandlungsbedürftige Rhythmusstörung steckt, lässt sich am zuverlässigsten feststellen, wenn der tatsächliche Herzrhythmus erfasst wird.