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Pollenallergie oder Erkältung? Symptome richtig erkennen

Die Nase läuft, ein Niesanfall folgt auf den nächsten und irgendwie fühlt man sich schlapp. Im Winter wäre der erste Gedanke wahrscheinlich eine Erkältung. Wenn draußen gleichzeitig Birke, Gräser oder andere Pflanzen ihre Pollen verteilen, wird die Sache komplizierter. Pollenallergie und Erkältung können sich tatsächlich erstaunlich ähnlich anfühlen: Beide können Schnupfen, eine verstopfte Nase, Niesen, Husten und allgemeines Unwohlsein verursachen. Trotzdem gibt es einige typische Unterschiede. Besonders Juckreiz an Augen und Nase, der zeitliche Verlauf und die Abhängigkeit der Beschwerden von Aufenthaltsort und Pollenflug liefern wichtige Hinweise. Eine eindeutige Diagnose lässt sich daraus allein allerdings nicht stellen.

Hinter beiden Beschwerden steckt das Immunsystem – aber aus verschiedenen Gründen

Eine Erkältung ist in aller Regel eine Infektion der oberen Atemwege durch Viren. Das Immunsystem reagiert auf einen tatsächlichen Krankheitserreger und versucht, ihn zu bekämpfen. Typisch sind Schnupfen und eine verstopfte Nase, Niesen, Husten und häufig auch Halsschmerzen. Eine gewöhnliche Erkältung entwickelt sich meist allmählich.

Bei einer Pollenallergie liegt dagegen keine Infektion vor. Das Immunsystem reagiert übermäßig auf eigentlich harmlose Bestandteile von Pflanzenpollen. Kommen diese Allergene mit den Schleimhäuten von Nase und Augen in Kontakt, wird eine allergische Entzündungsreaktion ausgelöst. Die Folge können eine laufende oder verstopfte Nase, Niesreiz sowie juckende und tränende Augen sein. Medizinisch spricht man bei den Beschwerden an der Nase von allergischer Rhinitis; sind gleichzeitig die Augen betroffen, wird häufig von einer allergischen Rhinokonjunktivitis gesprochen.

Juckende Augen sprechen eher für eine Allergie

Eines der hilfreichsten Unterscheidungsmerkmale sind die Augen. Bei einer Pollenallergie gehören juckende, tränende und teilweise geschwollene Augen zu den typischen Beschwerden. Auch Brennen und Rötungen können vorkommen. Das österreichische Gesundheitsportal beschreibt die Kombination aus allergischem Schnupfen und juckenden beziehungsweise tränenden Augen ausdrücklich als typische allergische Rhinokonjunktivitis.

Bei einer Erkältung können die Augen ebenfalls tränen, insbesondere wenn die Schleimhäute gereizt sind. Ausgeprägter Juckreiz an beiden Augen passt jedoch wesentlich typischer zu einer allergischen Reaktion. Dasselbe gilt für einen starken Juckreiz in der Nase. Die Unterscheidung ist trotzdem nicht absolut: Auch bei einer viralen Rhinitis können Juckreiz und tränende Augen vorkommen. Ein einzelnes Symptom liefert daher noch keine sichere Antwort.

Niesen kommt bei beiden vor – das Muster kann sich unterscheiden

Niesen ist ebenfalls kein eindeutiges Merkmal. Sowohl eine virale Erkältung als auch eine Pollenallergie reizen die Schleimhäute und können den Niesreflex auslösen. Bei Heuschnupfen sind jedoch wiederholte Niesattacken charakteristisch. Innerhalb kurzer Zeit folgen dann mehrere Nieser hintereinander, teilweise ausgelöst unmittelbar nach dem Aufenthalt im Freien oder dem Öffnen eines Fensters. Niesreiz gehört zu den typischen Beschwerden einer Pollenallergie.

Bei einem Infekt kann ebenfalls häufig geniest werden, vor allem zu Beginn der Erkrankung. Im weiteren Verlauf treten dann jedoch oft zusätzliche Erkältungssymptome wie Halskratzen oder Husten stärker in den Vordergrund. Das Muster der Beschwerden über mehrere Tage ist deshalb meist aussagekräftiger als die Anzahl der Nieser an einem einzelnen Vormittag.

Das Nasensekret liefert einen Hinweis – aber keinen Beweis

Bei einer Pollenallergie kann die Nase regelrecht wie ein Wasserhahn laufen. Das Sekret ist häufig klar und dünnflüssig. Gleichzeitig kann die Schleimhaut so stark anschwellen, dass die Nase trotz des wässrigen Schnupfens verstopft ist. Bei einer Erkältung ist das Sekret zu Beginn ebenfalls häufig dünnflüssig. Im weiteren Verlauf kann es jedoch dickflüssiger werden. Das österreichische Gesundheitsportal beschreibt bei viraler Rhinitis einen Verlauf von zunächst wässrigem zu später schleimigerem und schließlich dickerem Nasensekret.

Die Farbe des Schleims sollte dabei nicht überinterpretiert werden. Gelbliches oder grünliches Nasensekret beweist beispielsweise nicht automatisch eine bakterielle Infektion und bedeutet ebenso wenig, dass Antibiotika erforderlich wären. Für die Unterscheidung zwischen Allergie und Erkältung ist vielmehr interessant, ob über längere Zeit nahezu ausschließlich klares, sehr flüssiges Sekret zusammen mit Juckreiz und Niesattacken auftritt oder ob sich der Schnupfen im Verlauf eines typischen Infekts verändert.

Halsschmerzen passen eher zur Erkältung

Kratzen und Schmerzen im Hals sind klassische Begleiterscheinungen vieler Atemwegsinfekte. Eine Erkältung beginnt nicht selten mit einem merkwürdigen Gefühl im Hals, bevor die Nase stärker läuft und später Husten hinzukommt. gesund.bund.de zählt Halsschmerzen neben Schnupfen, verstopfter Nase, Niesen und Husten zu den typischen Anzeichen einer Erkältung.

Auch eine Pollenallergie kann den Hals reizen. Pollen gelangen schließlich nicht ausschließlich an die Nasenschleimhaut, und eine ständig laufende beziehungsweise verstopfte Nase kann zusätzlich Beschwerden im Rachen begünstigen. Ausgeprägte Halsschmerzen zusammen mit einem typischen Krankheitsgefühl passen aber eher zu einem Infekt als zu einer isolierten Pollenallergie. Wie bei fast allen Merkmalen gilt: Es gibt Überschneidungen.

Fieber spricht nicht für einen typischen Heuschnupfen

Der Name „Heuschnupfen“ ist etwas irreführend, denn mit einer fieberhaften Infektionskrankheit hat die Pollenallergie nichts zu tun. Fieber gehört nicht zu den typischen Symptomen einer Pollenallergie. Treten erhöhte Temperatur oder Fieber zusammen mit Atemwegsbeschwerden auf, spricht das deshalb eher für eine Infektion oder eine andere Ursache als für die Allergie allein.

Allerdings verursacht auch eine gewöhnliche Erkältung bei Erwachsenen häufig gar kein oder nur geringes Fieber. Deutliches Fieber, Schüttelfrost, starke Muskel- und Gliederschmerzen und ein plötzlich ausgeprägtes Krankheitsgefühl passen eher zu Influenza oder anderen Atemwegsinfektionen als zu einem einfachen Schnupfen. gesund.bund.de weist darauf hin, dass Fieber bei Grippe und COVID-19 häufiger vorkommt als bei einer gewöhnlichen Erkältung.

Eine Allergie kann sich schlagartig bemerkbar machen

Der zeitliche Beginn kann einen weiteren Hinweis liefern. Eine Erkältung entwickelt sich häufig allmählich. Erst kratzt vielleicht der Hals, dann beginnt die Nase zu laufen, am nächsten Tag kommt Husten hinzu und nach einigen Tagen verändern sich die Symptome erneut.

Eine Pollenallergie kann dagegen sehr unmittelbar auf die Belastung mit dem jeweiligen Allergen reagieren. Wer beispielsweise längere Zeit drinnen war und anschließend bei starkem Pollenflug ins Freie geht, kann relativ schnell Niesen, Nasenlaufen oder Augenjucken bemerken. Ebenso können Beschwerden innerhalb eines Tages deutlich schwanken. Das passt zu einer Erkrankung, deren Symptome davon abhängen, wie stark der Kontakt mit dem auslösenden Allergen gerade ist. Pollenallergien zeigen deshalb häufig einen engen Zusammenhang mit Pollenflug und Jahreszeit.

Der Kalender kann erstaunlich hilfreich sein

Wenn die Nase jedes Jahr ungefähr im selben Zeitraum verrücktspielt, lohnt sich ein Blick auf die Pflanzenwelt. Je nachdem, gegen welche Pollen eine Allergie besteht, können Beschwerden bereits sehr früh im Jahr beginnen und sich über Monate erstrecken. Hasel und Erle können zu den frühen Auslösern gehören, später folgen beispielsweise Birke, Gräser und verschiedene Kräuter. Das österreichische Gesundheitsportal weist darauf hin, dass die Pollensaison in Ostösterreich bereits früh im Jahr beginnen und sich anschließend über mehrere Monate ziehen kann.

Eine Erkältung hält dagegen normalerweise keine komplette Pollensaison lang an. Wenn vermeintlicher Schnupfen über Wochen immer wieder auftaucht, an bestimmten Tagen deutlich schlimmer wird und möglicherweise schon im vergangenen Frühjahr nach demselben Muster vorhanden war, wird eine Allergie wahrscheinlicher. Ein Beschwerdekalender kann dabei sehr hilfreich sein: An welchen Tagen treten Symptome auf, wie stark sind sie und welche Pollen waren zu diesem Zeitpunkt unterwegs?

Wetter und Aufenthaltsort können die Allergie verraten

Bei einer Erkältung ist es weitgehend egal, ob man gerade im Wohnzimmer, im Park oder auf einer Wiese steht – die Infektion bleibt vorhanden. Allergische Beschwerden können dagegen von der jeweiligen Allergenbelastung abhängen. Ein typisches Muster kann deshalb sein, dass Nase und Augen nach längerer Zeit im Freien plötzlich deutlich stärker reagieren oder sich Beschwerden in bestimmten Umgebungen häufen.

Das ist allerdings kein perfekter Test. Pollen gelangen durch Fenster und über Kleidung auch in Innenräume, und ihre Konzentration hängt von Pflanzenart, Wetter, Jahreszeit und Umgebung ab. Außerdem gibt es andere Allergien, deren Muster ganz anders aussieht. Eine Hausstaubmilbenallergie verursacht beispielsweise eher ganzjährige Beschwerden, die häufig nachts und morgens besonders ausgeprägt sind. Wer außerhalb der Pollensaison ständig unter einer laufenden oder verstopften Nase leidet, muss daher weder automatisch erkältet noch pollenallergisch sein.

Auch Heuschnupfen kann müde machen

„Ich fühle mich schlapp, also muss es ein Infekt sein“ funktioniert leider ebenfalls nicht zuverlässig. Eine Pollenallergie kann durchaus Müdigkeit verursachen. Das österreichische Gesundheitsportal nennt neben Niesreiz, laufender oder verstopfter Nase und Augenbeschwerden auch Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schlafstörungen als mögliche Folgen einer Pollenallergie.

Das ist nachvollziehbar: Eine ständig verstopfte Nase, juckende Augen und wiederholte Niesanfälle können den Schlaf erheblich beeinträchtigen. Am nächsten Tag fühlt man sich entsprechend erschöpft. Hinzu kommt die allergische Entzündungsreaktion selbst. Aus Müdigkeit allein lässt sich daher kaum ableiten, ob das Immunsystem gerade Viren bekämpft oder auf Pflanzenpollen reagiert.

Husten kann ebenfalls bei beiden auftreten

Husten wird häufig automatisch mit einer Erkältung verbunden. Tatsächlich gehört er zu den typischen Beschwerden viraler Atemwegsinfekte. Allerdings können auch Menschen mit Pollenallergie husten. Das österreichische Gesundheitsportal nennt Husten ausdrücklich als mögliche Begleiterscheinung der Pollensaison.

Besondere Aufmerksamkeit verdient Husten zusammen mit pfeifender Atmung, Engegefühl in der Brust oder Atemnot. Aus einem allergischen Schnupfen kann sich bei manchen Betroffenen allergisches Asthma entwickeln. Dieser Übergang von Beschwerden der oberen Atemwege zu einer Beteiligung der Bronchien wird häufig als „Etagenwechsel“ bezeichnet. Das österreichische Gesundheitsportal weist ausdrücklich darauf hin, dass sich aus allergischem Schnupfen allergisches Asthma entwickeln kann. Atemnot sollte deshalb nicht einfach als besonders heftiger Heuschnupfen hingenommen werden.

Eine Erkältung sollte irgendwann wieder verschwinden

Auch die Dauer hilft bei der Unterscheidung. Eine gewöhnliche Erkältung ist normalerweise zeitlich begrenzt. Die Beschwerden entwickeln sich über mehrere Tage und bessern sich anschließend wieder. Husten kann zwar länger nachlaufen, aber ein monatelanger unveränderter „Erkältungsschnupfen“ wäre ungewöhnlich.

Eine Pollenallergie kann dagegen so lange immer wieder Beschwerden verursachen, wie die entsprechenden Pollen vorhanden sind. Bei einer Allergie gegen mehrere Pflanzenarten kann sich dieser Zeitraum erheblich verlängern. Die Symptome müssen dabei nicht jeden Tag gleich ausgeprägt sein, weil auch die Pollenkonzentration schwankt. Wer seit Wochen vermeintlich erkältet ist, zwischendurch fast symptomfreie Tage hat und bei bestimmten Wetterlagen oder Aufenthalten im Freien immer wieder starke Beschwerden entwickelt, sollte deshalb eine allergische Ursache in Betracht ziehen.

Die erste Pollenallergie kann auch Erwachsene überraschen

Wer als Kind nie Heuschnupfen hatte, ist nicht automatisch für den Rest seines Lebens davor geschützt. Allergien können sich auch später entwickeln. Deshalb ist der Satz „Ich kann keine Pollenallergie haben, weil ich noch nie eine hatte“ kein zuverlässiges Ausschlusskriterium. Umgekehrt kann auch jemand mit bekannter Pollenallergie selbstverständlich zusätzlich eine Erkältung bekommen.

Letzteres macht die Unterscheidung besonders schwierig. Eine Person kann mitten in der Pollensaison zunächst typische allergische Beschwerden haben und sich anschließend zusätzlich einen Atemwegsinfekt einfangen. Dann verändern sich möglicherweise plötzlich die Symptome: Aus Augenjucken und wässrigem Schnupfen werden zusätzlich Halsweh, stärkerer Husten oder Fieber. Medizinische Beschwerden müssen nicht immer nur eine einzige Ursache haben.

Ein Allergietest kann Klarheit schaffen

Wenn die Beschwerden regelmäßig wiederkehren oder der Verdacht auf eine Allergie besteht, kann eine allergologische Diagnostik sinnvoll sein. Ausgangspunkt ist zunächst die Krankengeschichte: Wann treten die Symptome auf, wie lange dauern sie, gibt es einen jahreszeitlichen Zusammenhang und welche Auslöser erscheinen wahrscheinlich? Anschließend können abhängig von der Situation Haut- oder Bluttests eingesetzt werden. Das österreichische Gesundheitsportal beschreibt den Pricktest als häufig verwendeten Hauttest bei der Allergiediagnostik. Dabei werden mögliche Allergene auf die Haut aufgebracht und die Reaktion anschließend beurteilt.

Ein positives Testergebnis allein bedeutet allerdings nicht automatisch, dass das getestete Allergen tatsächlich sämtliche Beschwerden verursacht. Testergebnis und Krankengeschichte müssen zusammenpassen. Deshalb ist ein medizinisch begleiteter Allergietest aussagekräftiger als der Versuch, anhand einer langen Liste möglicher Pollen selbst eine Diagnose zu stellen.

Eine bekannte Allergie lässt sich gezielter behandeln

Die Unterscheidung zwischen Infekt und Pollenallergie ist nicht nur akademisch interessant. Die Behandlung unterscheidet sich grundlegend. Eine Erkältung ist eine Virusinfektion und klingt normalerweise von selbst wieder ab. Behandelt werden hauptsächlich die Beschwerden. Eine Pollenallergie kann dagegen unter anderem mit Antihistaminika oder lokal wirkenden Medikamenten wie bestimmten Nasensprays behandelt werden. Zusätzlich kann versucht werden, die Allergenbelastung zu verringern. Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kommt außerdem eine allergenspezifische Immuntherapie infrage, die an der allergischen Reaktion selbst ansetzt.

Gerade deshalb ist es wenig sinnvoll, über Wochen jeden vermeintlichen „Schnupfen“ ausschließlich mit Erkältungspräparaten zu behandeln, wenn tatsächlich eine Allergie dahintersteckt. Umgekehrt sollten wiederkehrende Infekte nicht einfach deshalb ignoriert werden, weil bereits eine bekannte Pollenallergie besteht.

Pollen möglichst wenig ins Schlafzimmer mitzunehmen kann helfen

Wer weiß, dass Pollen die Beschwerden auslösen, kann neben Medikamenten auch versuchen, die Belastung im Alltag zu reduzieren. Vollständig vermeiden lassen sich Pflanzenpollen kaum, schließlich befinden sie sich in der Außenluft und werden über weite Strecken transportiert. Praktische Maßnahmen können dennoch die Menge reduzieren, die insbesondere ins Schlafzimmer gelangt. Kleidung, die draußen getragen wurde, muss beispielsweise nicht direkt neben dem Bett abgelegt werden. Auch Haare können Pollen aufnehmen.

Wann Lüften besonders günstig ist, hängt stark von Region, Wetter, Pflanzenart und der konkreten Pollensituation ab. Starre Regeln wie „auf dem Land nur abends, in der Stadt nur morgens“ sind deshalb weniger zuverlässig als aktuelle Pollendaten. Entscheidend ist ohnehin nicht ein pollenfreies Leben, sondern die Belastung dort zu reduzieren, wo das mit vertretbarem Aufwand möglich ist.

Bei Atemnot endet die Selbstdiagnose

Ein bisschen Augenjucken und Niesen lässt sich zunächst beobachten. Anders sieht es aus, wenn Atemnot, pfeifende Atemgeräusche oder ein ausgeprägtes Engegefühl im Brustkorb hinzukommen. Allergische Erkrankungen können auch die unteren Atemwege betreffen, und aus allergischem Schnupfen kann sich allergisches Asthma entwickeln. Solche Beschwerden gehören ärztlich beurteilt.

Das gilt unabhängig davon, ob die vermutete Ursache eine Allergie oder ein Infekt ist. Deutliche Atemnot, schwere Kreislaufprobleme oder andere akut bedrohlich wirkende Symptome sind keine Situation, in der man erst zu Hause herausfinden sollte, welche Pollen gerade fliegen.

Auch ungewöhnlich starke Infektbeschwerden verdienen Aufmerksamkeit

Wer Fieber, ausgeprägte Glieder- oder Muskelschmerzen, Schüttelfrost und ein starkes Krankheitsgefühl entwickelt, hat wahrscheinlich mehr als einen typischen Heuschnupfen. Eine Influenza beginnt beispielsweise häufig rasch und verursacht wesentlich stärkere Allgemeinbeschwerden als eine gewöhnliche Erkältung. Auch COVID-19 kann Atemwegssymptome verursachen, die sich anhand der Beschwerden allein nicht immer eindeutig von anderen Infektionen unterscheiden lassen.

Die einfache Zweiteilung „Allergie oder Erkältung“ deckt deshalb nicht jede mögliche Ursache einer laufenden Nase ab. Bei ungewöhnlichem Verlauf, starken Beschwerden oder gesundheitlichen Risikofaktoren kann eine medizinische Einschätzung sinnvoll sein.

Das Gesamtbild ist meist deutlicher als ein einzelnes Symptom

Eine Pollenallergie spricht besonders dafür, wenn Beschwerden jahreszeitlich wiederkehren, stark von der Umgebung abhängen und mit ausgeprägtem Juckreiz an Augen und Nase, tränenden Augen und Niesattacken verbunden sind. Eine Erkältung entwickelt sich dagegen typischerweise über mehrere Tage, kann mit Halsbeschwerden und Husten einhergehen und verschwindet anschließend wieder. Keine dieser Regeln ist absolut, weil sich viele Symptome überschneiden.

Gerade deshalb lohnt es sich, nicht nur den heutigen Schnupfen zu betrachten. Seit wann bestehen die Beschwerden? Jucken die Augen? Gibt es Fieber oder Halsschmerzen? Waren die Symptome im vergangenen Frühjahr schon einmal zur gleichen Zeit vorhanden? Werden sie nach Aufenthalten im Freien stärker und an anderen Tagen plötzlich besser? Aus diesen Beobachtungen entsteht häufig ein erstaunlich charakteristisches Muster.

Wer jedes Frühjahr über Wochen „erkältet“ ist, könnte in Wirklichkeit eine Pollenallergie haben. Wer dagegen trotz bekannter Allergie plötzlich Fieber, starke Halsschmerzen und deutliche Allgemeinbeschwerden entwickelt, sollte nicht automatisch sämtliche Symptome den Pollen zuschreiben. Nase und Augen allein liefern selten die endgültige Diagnose – aber zusammen mit Jahreszeit, Verlauf und Begleiterscheinungen geben sie oft ziemlich gute Hinweise darauf, ob gerade Pflanzen oder Viren das Immunsystem beschäftigen.

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